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Kino im Kornspeicher

Das Kino im Kornspeicher zeigt im 2. Halbjahr 2019 Filme, die die Ausstellung „Aufbruch 89 - erinnern und ermutigen“ thematisch begleiten.

Mittwoch, 18. September 2019 - 20:00 Uhr

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Der schwarze Kasten

D 1992, Regie: Tamara Trampe, Johann Feindt

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Beauftragten des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und dem Filmmuseum Potsdam im Rahmen der Reihe „Zeitschnitt 2019: Umbrüche – Aufbrüche“
Dokumentarfilm über Dr. Jochen Girke, einen ehemaligen Oberstleutnant der Stasi, der an der Hochschule des Geheimdienstes „Operative Psychologie“ in der ehemaligen DDR lehrte. Seine Rolle im Gefüge der Psychologielehre, die der Stasi als wissenschaftliche Basis für ihre Verhörmethoden diente, bezeichnet Girke als „humanistischen Ansatz“, einen Versuch, innerhalb der Methoden von Freiheits- und Schlafentzug und psychologischer Folter einen menschlichen Umgang zu finden. Er macht Karriere beim Ministerium für Staatssicherheit, dem er pflichtbewusst seine angedachten Partnerinnen meldet (und von denen er sich auf Geheiß des MfS wieder trennen wird) und für den er schließlich seine Freunde denunziert.
In einem Verhörkeller der Stasi spricht ein ehemaliger Kommilitone, der Schriftsteller und das Stasi-Opfer Jürgen Fuchs. In einer fast zehnminütigen Sequenz zeigt er in einem geisterhaften Schauspiel den „humanistischen Ansatz“ der Operativen Psychologie, dessen Opfer er wurde.
Was Girke als solide, wissenschaftliche Methode bezeichnet, hat Fuchs in der winzigen Kammer als Schlafentzug, Terror und Folter erlebt. Girke nennt Fuchs einen Freund. Schuldig fühle er sich trotzdem nicht. In einem an die Substanz gehenden Gespräch wird versucht, seiner Sozialisation, seinem Denken sowie den Mustern seines Lebens auf die Spur zu kommen. Der Film zeigt die Annäherung an den Menschen, aber auch die Entfremdung eines Individuums sich selbst und seiner Arbeit gegenüber. Eine intensive Dokumentation, die nicht zuletzt deshalb berührt, weil sich die Filmemacher sehr stark einbringen und verzweifelt die quälende Suche nach Antworten vermitteln.
Zur Vorführung ist der Filmwissenschaftler und –kritiker Claus Loeser zu Gast. Er führt in den Film ein und steht dem Publikum für Gespräche zur Verfügung.

Mittwoch, 23. Oktober 2019 - 20:00 Uhr

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Verriegelte Zeit

D 1991; Regie: Sibylle Schönemann

1981 wird die DDR-Filmemacherin Sybille Schönemann nach einem Ausreiseantrag gemeinsam mit ihrem Mann festgenommen. Es folgen Monate der Ungewissheit und Haft, der Trennung von der Familie und den Kindern. Schließlich wird die Ausreise nach Hamburg im Rahmen einer Freikaufaktion durch die Bundesrepublik möglich.
Im Sommer 1990 kehrt Sybille Schönemann mit einem Filmteam zurück, um nach Spuren und Leuten zu suchen, die damals für ihre Festnahme und ihren Gefängnisaufenthalt verantwortlich waren.
Der bewegende, spannende Dokumentarfilm “Verriegelte Zeit“ ist das Ergebnis ihrer mühevollen, schmerzhaften Recherche. Er ist das Dokument über eine typisch deutsche Zeit geworden. Denn wem Sybille Schönemann auch immer begegnet, ob Haftrichter, Schöffen, DEFA-Vorgesetzten oder schließlich ihrem Stasi-Verhörer, überall trifft sie auf “Quasi“- Unschuldige.
Einzig ihr Verteidiger erklärt seine damalige Mutlosigkeit. Ansonsten gibt es in der ehemaligen DDR keine Täter. Die Zivilcourage zuzugeben, im Fall Sybille Schönemann Rechtsbeugung begangen und Druck ausgeübt zu haben oder ein ganz gewöhnlicher Mitläufer gewesen zu sein, besitzt niemand. Im Gegenteil: Verdrängen, Abwiegeln, faule Erklärungen oder viel Feigheit stehen auf der Tagesordnung.
“Verriegelte Zeit“ von Sybille Schönemann, ein Geschichtsfilm für die Zukunft. Zur Vorführung ist Sybille Schönemann anwesend und freut sich auf Gespräche mit dem Publikum.

Mittwoch, 6. November 2019 - 20:00 Uhr

Feuerland | In Rheinsberg | Haus und Hof

Drei Kurzfilme von Regisseur Volker Koepp

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Feuerland - 1987
Der Film, zeigt ein Stück damaliges Straßen- und Alltagsleben in Berlin-Mitte, Dorotheenstadt, auf sehr unmittelbare und authentische Weise.
Die um 1804 ansässigen Eisengießereien, Großschmieden Lokomotiv- und (Dampf)Maschinenwerke brachten der Gegend seinerzeit den Namen "Feuerland" ein und prägten das Arbeiterviertel auch mit ihren Kneipen.
Ein richtiges Kommunikationszentrum ist die Eckkneipe Borsig-Eck. Dort trifft sich ein bunter Querschnitt der Bevölkerung. Man redet, politisiert, trinkt Bier zu 51 Pfennig, feiert Hochzeit, spielt Schach, Skat oder ein Pilz-Experte fachsimpelt über Morcheln. Der 75-jährige Stammgast Kutte, der alte Schach-Meister, erzählt aus seinem Leben in der NS-Zeit. Ein junges Brautpaar feiert seine Hochzeit und tanzt zu Udo Lindenbergs "Hinterm Horizont geht’s weiter“. Außerdem treffen wir Bauarbeiter aus Neubrandenburg, die auf Montage in Berlin sind; die Ackerstraße mit ihrer Markthalle/Ackerhalle (1888 erbaut), besuchen das „Altdeutsche Ballhaus“; die Chausseestraße mit dem Brecht-Haus, der Dorotheenstädtische Friedhof, das Borsighaus; Blick vom Charité-Hochhaus auf das Viertel; das Stadtbad Berlin-Mitte in der Gartenstraße; erleben Fußball im „Stadion der Weltjugend“ und das Berliner Nachtleben im Tanzlokal „Ballhaus Berlin“. Bilder einer untergegangenen Zeit.
 

In Rheinsberg - 1982 Der Film ist eine Annäherung an ein Kapitel preußischer Geschichte, an Friedrich II. und seinen Bruder Heinrich, die in und um die märkische Kleinstadt Rheinsberg in Architektur und Landschaft ihre Spuren hinterließen. Historie und Gegenwart werden verknüpft in Gesprächen mit Bewohnern Rheinsbergs, ihren Bemerkungen zur Geschichte, ihrem Verständnis von Denkmalpflege und gegenwärtigem Baugeschehen.
 

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Haus und Hof - 1980 Die 28jährige Isolde Sperling lebt - gemeinsam mit ihrem Mann, dem Musiker Jürgen und ihrem Sohn - in Hennickendorf im Kreis Luckenwalde, wo sie als Agrarwissenschaftlerin und Leiterin einer LPG für die Bodenverbesserung zuständig ist. Dass sie in ihrer Tätigkeit tatsächlich aber eher gegen die Gesetze der Ökologie handelt, ist nur ein Beispiel für die Paradoxie und die realsozialistische Misere des Arbeitsalltags, die Isolde deutlich zu schaffen machen. Der Film ist das Portrait einer jungen und selbstbewussten Frau, die, zerrissen zwischen persönlicher Überzeugung und politischen Realitäten, den täglichen Balanceakt unternimmt, bei allen Widrigkeiten vielleicht doch noch etwas zu verändern und sich dabei selbst treu zu bleiben.

Volker Koepp ist am Abend unser Gast und steht für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung.

Mittwoch, 13. November 2019 - 20:00 Uhr

Zur Finissage der Ausstellung „Aufbruch 89 - erinnern und ermutigen“ präsentieren wir zwei Filme, die sich mit Alltagsthemen der DDR beschäftigen, die zu den schönen Erinnerungen zählen:

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Die Weite suchen

D 2015, Regie: Falk Schuster

Sommer 1987. Familie Schuster aus dem Bezirk Leipzig fährt einmal quer durch die DDR in den Urlaub. Mit dem Trabant und einem Anhänger zu einer Privatunterkunft an der Ostsee in unmittelbarer Nähe zur damaligen innerdeutschen Grenze. Privaturlaub an der Ostsee war damals etwas ganz besonders. Zwischen Volkspartei, Grenzpatrouillen, Mangelwirtschaft und Strandidylle im ostdeutschen Urlauberparadies pendelt der autobiografische Anima-Dok-Film von Falk Schuster.
Hier der Trailer bei vimeo.com

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Der Duft des Westpakets

D 2018, Regie: Maja Stieghorst & Brit-J. Grundel

Düfte rufen blitzschnell Erinnerungen und Emotionen in uns wach.
Bei vielen Ostdeutschen ist es der Duft vom Westpaket.
Die beiden Filmemacherinnen Maja Stieghorst und Brit-J. Grundel haben sich auf die Suche nach diesem Duft begeben und nehmen Sie in diesem Dokumentarfilm auf eine olfaktorische Reise mit. Während der Dreharbeiten haben die beiden Regisseurinnen nach einigen Versuchen, den Duft zu kreieren, auch Proband*innen vor dem DDR Museum in Berlin zu Testriecher*innen gemacht. Damals noch ohne den erhofften Erfolg. Der Duft war für die ehemaligen Empfänger*innen nicht eindeutig als der vom Westpaket identifizierbar.
Für das Team von Stieghorst und Grundel ein sehr bedeutungsvoller Punkt. Schließlich mussten sie entscheiden, ob sie ihre Suche fortsetzen. Auf diese Frage gab es jedoch nur eine Antwort, denn längst war aus dem Filmprojekt ein echtes Herzensprojekt geworden. Aus heutiger Sicht sind sich beide einig, dass es sich gelohnt hat.
Maja Stieghorst und Brit-J. Grundel sind am Abend im Kornspeicher zu Gast und freuen sich darauf, mit dem Publikum reden und riechen zu können.
Hier ein Vorgeschmack bzw. -geruch bei youtube.

Mittwoch, 11. Dezember 2019 - 20:00 Uhr

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Film-Preview!
Die Entdeckung der Heimat

Der große TV Mehrteiler zum Fontanejubiläum

Die rbb-Dokumentationsreihe „Die Entdeckung der Heimat - Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ mit ihrem Presenter Fabian Hinrichs begibt sich auf Fontanes Spuren, um die Geschichte der Region Berlin-Brandenburg lustvoll neu zu erkunden und in die Welt des märkischen Romanciers einzutauchen.
Aufführung des ersten Teils der Dokumentation mit anschließendem Gespräch. Der Schauspieler Fabian Hinrichs und das Macherteam um Regisseur und Grimme-Preisträger Johannes Unger(rbb) sind anwesend.

Für alle Kino im Kornspeicher - Veranstaltungen gilt:
“Eintritt frei. Wie immer freuen wir uns über Spenden.”